"Toleranz sollte eigentlich nur eine vorrübergehende Gesinnung sein: Sie muss zu Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen."
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Mit dem Aufmarsch im Februar versuchten die Nazis in den vergangenen Jahren, an das Gedenken an die Bombardierungen Dresdens im Februar 1945 und den damit einher gehenden Mythos der „unschuldigen Stadt Dresden“ anzuknüpfen.
Dabei unterschlagen sie, dass mit dem Kriegsbeginn und die Bombardierung vieler unschuldiger durch Hitler-Deutschland das Übel für Dresden erst verursacht wurde. Schwule und Lesben waren eine der Hauptopfergruppen des Nazi-Terrors im Dritten Reich!
Auch durch Ignorieren und Wegschauen seitens der Stadtverwaltung und eine mangelnde Entschlossenheit großer Teile der Dresdner Zivilgesellschaft konnte dieser Termin zu Europas größtem Naziaufmarsch mit bis zu 7000 Teilnehmenden werden. Doch die Dynamik der Aufmärsche ist gebrochen. Zu verdanken ist dies insbesondere dem entschlossenen Handeln von zwölftausend (2010) und zwanzigtausend Menschen (2011), die mit Massenblockaden den Marsch der Nazis verhinderten.
Auch der LSVD Sachsen hat sich dem Bündnis Dresden-Nazifrei angeschlossen, um uns rechtsradikalen Ideologien entgegenzustellen und an die grausame Geschichte homosexueller Verfolgter zu errinnern.
Mehr Infos unter www.dresden-nazifrei.com
Mit dem Beschluss der EKD zu einem einheitlichen Pfarrdienstgesetz vom November 2010 können verpartnerte Pfarrerinnen und Pfarrer wie ihre heterosexuell verheirateten Kollegen im Pfarrhaus zusammenleben. Über die Umsetzung dieses Gesetzes kann jedoch jede Landeskirche selbst entscheiden. So haben etwa die Kirchen in Mitteldeutschland und Bayern vor rund einem Jahr homosexuellen Pfarrerinnen und Pfarrern erlaubt, mit ihren gleichgeschlechtlichen Partnern im Pfarrhaus zu wohnen.
In Sachsen erhitzen homosexuelle Partnerschaften die Gemüter evangelischer Gemeinden dennoch weiterhin. So auch der Beschluss vom 21. Januar 2012 der Leitung der evangelisch-lutherischen Kirche Sachsen vom vergangenen Wochenende. Darin wird homosexuellen Pfarrern und Pfarrerinnen erlaubt mit Lebenspartner im Pfarrhaus zu wohnen, allerdings nur, wenn der Kirchenvorstand einverstanden ist.
Welche Kirchenvorstände werden in Sachsen zustimmen? Vielleicht geht das in Leipzig oder Dresden, aber im Erzgebirge oder im Zittauer Gebirge sieht das anders aus. Dort haben sehr konservative und evangelikale Strömungen das Zepter in der Hand und beten sogar gegen Homosexuelle im Pfarrhaus.
Die Kirchenleitung Sachsen schreibt, mit dieser Entscheidung sollen die „Regeln im Umgang mit homosexueller Prägung von Amtsträgern und Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst“ zwar so fortgeschrieben werden, dass ihnen das Zusammenleben mit ihren gleichgeschlechtlichen Partnern im Pfarrhaus gestattet ist. Das gilt allerdings nur, wenn sie in einer Eingetragenen Partnerschaft leben und die einmütige Zustimmung des Kirchenvorstandes vorliegt. Gleichzeitig bekräftigt die Kirchenleitung „die bleibende Bedeutung der biblischen Ordnung von Ehe und Familie als Leitbild des Zusammenlebens von Mann und Frau“.
Der Beschluss ist kein Fortschritt, sondern ein fauler Kompromiss. Der LSVD Sachsen vermutet, dass sich die Mehrheit der Vernünftigen davor scheut, sich mit der lautstarken Minderheit homophober Fundamentalisten anzulegen. Der Beschluss soll Toleranz signalisieren, er ändert aber nichts an der Lebensrealität homosexueller Pfarrerinnen und Pfarrer. Diese sind weiterhin abhängig von der Gnade ihres Kirchenvorstands.
Und was soll die scheinheilige Bezugnahme auf die Eingetragene Lebenspartnerschaft? Hier wird ja gerade so getan, als erkenne die Landeskirche Eingetragene Lebenspartnerschaften an. Tatsächlich aber verweigern die Gemeinden den Paaren weiterhin ihren Segen. Wir fordern den Landesbischof Jochen Bohl auf, diesen Widerspruch aufzulösen.
Sächsische Evangelische tun sich schwer mit Homosexualität: Im Vorfeld traten die zutiefst konträren Auffassungen zu Tage. So sprachen sich mit dem offenen Brief „Auch unter Christen – Liebe zum gleichen Geschlecht“ des Kirchenbezirks Leipziger Land 124 Pfarrerinnen und Pfarrer dafür aus, dass allen die Möglichkeit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft offensteht und niemand die eigene Sexualität verstecken muss. Zugleich wünschen sie sich, „dass unsere Kirche homosexuelle Paare in eingetragener Lebenspartnerschaft ausdrücklich einlädt, für ihr gemeinsames Leben den Segen Gottes zu erbitten und dass eine entsprechende liturgische Ordnung erarbeitet und eingeführt wird“. Darüber hinaus erinnern sie an den historischen Umgang der Kirche mit Homosexuellen, der „nicht unwesentlich eine Schuldgeschichte ist“ und bislang nur zögerlich aufgearbeitet wurde. Sie reagierten damit auf die sogenannte „Markersbacher Erklärung“, mit der cirka 128 Kirchenvorstände und damit rund ein Sechstel aller sächsischen Gemeinden das Festhalten an der ursprünglichen Regelung gefordert hatten und den Verlust ihrer „geistigen Heimat“ befürchteten. Nach dem Beschluss haben sie ihren Unterstützungsaufruf bis zur Frühjahrssynode 2012 verlängert.
Landesbischof Jochen Bohl sagte gegenüber Medien, er hoffe, dass dieser Beschluss von „den Christinnen und Christen in den Kirchgemeinden unserer Landeskirche (…) mitgetragen wird“ und so die Einheit der Landeskirche gesichert ist. Wenn er sich da mal nicht täuscht.
Tom Haus
LSVD Sachsen & LSVD-Stammtisch Chemnitz
Auch im Jahre 2012 gehen unsere STammtische weiter!
Ab Februar 2012 (jeden letzten Donnerstag im Monat) geht der Stammtisch in Leipzig für Mitglieder, Freunde und Sympathisanten des LSVD im Kulturhaus Eutritzsch weiter.
In Chemnitz (jeden letzten Freitag im Monat) geht es wie gewohnt im Januar wieder los.
Jeder und jede ist herzlich eingeladen zu Geselligkeit, Themenabenden, gemeinsamen Unternehmungen, Ideen zu gemeinsamen Aktionen einzubringen, etc.
Ort:
AIDS-Hilfe Chemnitz
Karl-Liebknecht-Straße 17 b
09111 Chemnitz
Filme-Abend - Für Speis und Trank ist gesorgt. Es darf aber jeder etwas mitbringen. Wie Immer: Open End. Jeder und jede ist herzlich eingeladen!
Der Treff in Chemnitz ist jeden letzten Freitag im Monat.
Ansprechpartner: Tom Haus tom.haus(at)lsvd.de 0172/3616948
Homepage: www.sachsen.lsvd.de, www.dmksachsen.de
Ort: Kulturhaus Eutritzsch (www.kulturhauseutritzsch.de)
Weg: Postadresse weicht vom Standort leicht ab!
Kulturhaus Eutritzsch am Ende von An der Querbreite, 04129 Leipzig, Sachsen
Mit Auto: Bis zum Ende der "An der Querbreite“ auf Parkplatz fahren.
Mit Straßenbahn 16 Richtung Messegelände: bis zur Mosenthinstraße--> Delitzscher Str. südlich bis " An der Querbreite" laufen --> gerade aus bis zum Ende (Parkplatz laufen) ca. 10 min.
Beschreibung:
Mit dem regelmäßigen LSVD Sachsen Treff in Leipzig wollen wir für Euch sichtbar & erreichbar sein, mit Euch ins Gespräch kommen und Euch interessante Vorträge und Diskussionen anbieten!
Der Treff in Leipzig ist jeden letzten Donnerstag im Monat.
Ansprechpartner: Hartmut Rus (0179/5020511)
als PDF
Das sächsische "Landesamt für Finanzen und Steuern" in Dresden gewährt inzwischen verpartnerten Beamtinnen und Beamten den Familienzuschlag der Stufe 1, wenn Sie einen entsprechenden Antrag stellen.
Dazu erklärt Tom Haus, Sprecher des LSVD-Sachsen:
Das Landesamt hat offenbar vom sächsischen Finanzministerium eine entsprechende Weisung erhalten. Diese Neuerungen wurden dem LSVD Sachsen vor Monaten in einem Brief seitens des sächsischen Finanzministeriums angekündigt.
Dies ist ein wichtiger Etappensieg für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen im öffentlichen Dienst in Sachsen. Die langfristige Strategie des LSVD in Sachsen, betroffene Landesbedienstete zur Klage zu ermutigen und sie auf diesem Weg zu begleiten, hat sich bezahlt gemacht. Diese Klagen haben die Politik unter Zugzwang gesetzt, die Diskriminierungen im Dienstrecht zurückzufahren. Leider geschieht dies nicht rückwirkend bis zum Jahre 2003. Da haken wir aber noch nach.
Dieses Beispiel zeigt uns, dass Ausdauer und Mut der Betroffenen sich langfristig auch finanziell auszahlen. Der LSVD bedankt sich an dieser Stelle bei Klagenden, die diesen Erfolg erst ermöglichten. Wir freuen uns über jegliche Initiativen, die sich ebenfalls für die Gleichstellung von LGBTI in Sachsen einsetzen.
Nur gemeinsam sind wir stark!
Weitere Informationen finden Sie unter: www.lsvd.de/230.0.html (Abschnitt 9.)
Die Gleichstellungsgesetze finden Sie hier: www.lsvd.de/423.0.html
Übersicht über die Gleichstellung im Beamtenrecht: www.lsvd.de/194.0.html
LSVD startet Mission Aufklärung gegen Homoheiler - Webseite mit ausführlichen Informationen
Auch in Deutschland machen sich evangelikale, fundamentalistische Organisationen breit, die behaupten, Homosexualität sei veränderbar oder therapierbar. Sie nutzen die Nöte von jungen Menschen und die christlichen Werte zur Verbreitung homophober Ideologien.
Unser neues Internetportal http://www.mission-aufklaerung.de/ ist ein Teil der Antihomophobiearbeit des LSVD. Das offene Netzwerk "Mission Aufklärung" ist aus einem Arbeitsbereich des LSVD Sachsen entstanden, um Umpolungsangeboten entgegenzutreten und aufzuklären. Unser Netzwerk "Mission Aufklärung" will nicht nur gegen religiös begründete Diskriminierung von Homosexuellen vorgehen. Wir wollen auch Betroffenen, etwa homosexuellen Christen, die in die Fänge von "Umpolern" geraten sind, Alternativen und Möglichkeiten des Ausstiegs aufzeigen.
Therapie- und Umpolungsangebote sind für Lesben und Schwule eine Beleidigung und eine Zumutung. Sie sind nicht nur gefährlich oder antiquiert, sondern auch unwissenschaftlich. Darin wissen wir uns mit den wirklichen Sachverständigen aus Psychiatrie und Psychologie, aus Sexualwissenschaft und Pädagogik einig. Sie stimmen darin überein, dass die homosexuelle Identität schon in frühester Kindheit entsteht. Homosexualität ist eine Facette der menschlichen Sexualität. Nicht mehr und nicht weniger. Die WHO hat deshalb Homosexualität 1992 aus dem Katalog der Krankheiten (ICD) gestrichen.
Rückfragen beantwortet Projektleiter Hartmut Rus, e-mail: hartmut.rus@lsvd.de http://www.mission-aufklaerung.de/