Grußwort von Susann Rüthrich (MdB) zum Sachsenweiten Rainbowflash am IDAHIT*, 17. Mai

© SPD Parteivorstand/Susie Knoll

Liebe Freundinnen und Freunde, Aktive, Unterstützerinnen und Unterstützer,

heute am 17.5. wird sachsenweit wieder mit tollen Aktionen und Rainbowflashs für Vielfalt und Respekt und die Rechte der LSBTI* die Straße eingenommen. Leider kann ich auf Grund der heutigen Präsenzpflicht im Deutschen Bundestag nicht beim Aktionstag dabei sein. Ich kann Ihnen auf diesem Wege versichern, LSBTIQ* Themen sind aktueller denn je und es gibt reichlich Diskussionsstoff, auch in Berlin, im Deutschen Bundestag, in der parlamentarischen Debatte. So auch beim derzeitigen Gesetzentwurf zur Reform des “Transsexuellengesetzes”; es gab sehr viel berechtigte Kritik an dem Entwurf, die ich teile. Ich verfolge weiter das Ziel, eine Reform und ein Gesetz einzuführen, das Menschen die Selbstbestimmung über ihre geschlechtliche Identität ermöglicht und Abschied nimmt von Pathologisierung und Fremdbestimmung. Mir geht es um wirkliche Beratung und Begleitung, Unterstützung in Selbstbestimmung. Nur eine Person selbst kann wissen, wer sie ist. Kein Gutachten, keine Gutachterin und kein Gutachter kann das sagen! Somit finde ich es richtig, dass der Referentenentwurf dazu in der Regierung nicht zustimmungsfähig war und gestoppt wurde. Wir können gespannt sein, wie es weitergeht.

Wir wissen, jede Woche, jeden Tag werden in Deutschland Säuglinge und Kleinkinder unnötig operiert, um sie so einer vermeintlichen optischen Norm von männlich oder weiblich anzupassen. Ich setze mich für die Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit dieser Kinder ein! Kinder sollen später selbst entscheiden können, wer sie wie sein wollen. Deshalb muss das im Koalitionsvertrag vereinbarte Operationsverbot – außer zur Abwendung von Lebensgefahr – jetzt durchgesetzt werden. Wir wissen um die Folgen derartiger Operationen, die zu Sterilisationen führen können, lange körperliche Prozeduren bedeuten und lebenslange Hormonbehandlungen zur Folge haben können. Diese Eingriffe sind unnötig! Ärztliche Richtlinien reichen für ein Ende dieser OP- Praxis ganz offenkundig nicht aus.

Ich habe in persönlichen Gesprächen kennengelernt, das Trans* Kinder und -Jugendliche oftmals schon sehr früh wissen, dass ihre tatsächliche Identität nicht dem optisch zugewiesenen Geschlecht entspricht. So berichtete in einer Beratung der Kinderkommission des Deutschen Bundestages eine Mutter ,dass ihr Kind schon mit 4 Jahren sehr klar gesagt hat: „Warum nennst du mich denn einen Jungen. Das bin ich doch gar nicht. Ich bin ein Mädchen.“ Wenn diese Kinder und Jugendlichen sich nicht entsprechend ihrer tatsächlichen Identität entwickeln können, drohen schwere Beeinträchtigungen: Schulverweigerung, gesundheitliche Probleme, erhöhte Suizidrate oder selbstverletzendes Verhalten. Das gilt selbstverständlich auch für all jene, die erst im Laufe ihres Lebens die ihnen entsprechende Identität entwickeln. Entsprechende Beratungsstellen berichteten, dass die Information und die Beratung von Trans*Kindern und deren Eltern bzw. institutionelles Umfeld (Kita, Schule, Sportverein u. a.) einen großen Umfang einnehmen.

Die eingesetzte Kommission zum Verbot so genannter Konversionstherapien arbeitet. Ich bin darin Mitglied. So kann ich hoffentlich mit dafür sorgen, dass zukünftig vor allem Kinder und Jugendliche wirksam vor sogenannten „Umpolungs“ -Übergriffen geschützt werden. Aber auch für Erwachsene dürfen solche Maßnahmen nicht auch noch von Kassen übernommen werden. Niemand darf sich dazu genötigt sehen, sich einer solchen Prozedur zu unterziehen. Denn es ist gut so, dass jeder Mensch ist wie er ist. Gern bleibe ich auch weiterhin Ihre Unterstützerin und Partnerin auf dem Weg für Vielfalt in unserer Gesellschaft.

Dieser heutige Aktionstag ist aber auch ein Tag, um sich zu freuen, denn seit diesem Jahr besteht nun die Möglichkeit, das Geschlecht im Geburtsregister als divers anzugeben bzw. eben auch zu wechseln. Damit setzte das Parlament eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts um.

Einen bunten Aktionstag auf den Straßen und Plätzen Sachsen wünscht

Susann Rüthrich

Mitglied des Deutschen Bundestages
Mitglied des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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