Empathie statt Ignoranz: Homophobe- und transfeindliche Gewalt bekämpfen

LSVD Sachsen appelliert an Innenminister Wöller

Chemnitz, 25. Januar 2021. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Sachsen appelliert in einem Schreiben an Innenminister Prof. Dr. Roland Wöller Gewalt gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*- und intergeschlechtliche und queere Menschen (LSBTIQ) entschieden zu begegnen. Sachsen sollte sich auch im Bund für eine kohärente Strategie gegen LSBTIQ-Feindlichkeit einsetzen.

„In Sachsen ist eine hohe Ablehnung von LSBTIQ und deren Lebensweisen zu beobachten. Dass zeigt nicht nur eine sächsische Studie zu Gewalterfahrungen aus dem Jahr 2019, sondern auch die Tötungsdelikte und die bundesweit steigende Zahl von Anfeindungen und LSBTIQ-feindlicher Gewalt. Wir brauchen dringend wirksame Konzepte und Präventionsprogramme in Bund und Ländern. Frei und sicher leben, ohne Angst vor Anfeindungen, das muss in Sachsen und vor allem auch bundesweit für LSBTIQ möglich sein. Diesen Appell haben wir an Innenminister Prof. Dr. Wöller gerichtet“, so Tom Haus aus dem Landesvorstand des LSVD Sachsen.

Die im Mai 2020 veröffentlichte Studie „A long way to go for LGBTI equality“ der EU-Grundrechtsagentur (FRA) zeigte auch für Deutschland, dass LSBTI die Bedrohung durch Anfeindungen auf der Straße und im Öffentlichen Nahverkehr als besonders hoch erleben. Wenn vor jeder Umarmung, vor einem Kuss im öffentlichen Raum zuerst die Umgebung gecheckt werden muss, ob jemand Wildfremdes einem womöglich anspucken, ins Gesicht schlagen oder in den Magen treten könnte, ist das eine erhebliche Einschränkung der Freiheit und der Grundrechte. Dennoch hat sich die Innenministerkonferenz seit ihrer Gründung 1954 kein einziges Mal explizit mit LSBTIQ-feindlicher Gewalt auf ihrer Agenda beschäftigt.

„LSBTIQ sind unverhältnismäßig stark von Hassdelikten, Hetze und Gewalt betroffen. Diese Gewalt ist keine Randerscheinung. Sie bedroht mitten in unserer Gesellschaft tagtäglich Menschen. Es wird Zeit, dass sich die Innenminister und Innenministerinnen endlich mit der Sicherheit und Freiheit von LSBTIQ in diesem Land befassen und die spezifisch gegen sie gerichtete Hasskriminalität zum Thema machen. Statt Ignoranz braucht es Haltung und Empathie“, so Tom Haus vom LSVD Sachsen weiter.

Allen Innenminister*innen und Innensenatoren wurde das LSVD-Positionspapier „Frei und sicher leben – Homophobe und transfeindliche Hasskriminalität entschieden bekämpfen“ übersandt. Es enthält Kernforderungen zur Erfassung, Prävention und Bekämpfung homophober und transfeindlicher Hasskriminalität und konkrete Vorschläge für Maßnahmenprogramme und Gesetzgebung.

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