Queer*migrant Art: Interview mit Mira

Im Rahmen unseres Projekts „queermigrant Art“ möchten wir mit queermigrantischen Künstlerinnen in einen offenen Dialog treten. In persönlichen Interviews sprechen wir über ihre künstlerischen Wege, ihre Verbundenheit mit der Community und ihre einzigartigen Visionen.


Mira (sie, ihr) - queere Künstlerin | Gestalterin. Ihr Kunstausdruck bewegt sich zwischen Floristik, digitalen Medien, Musik, Poesie und verbindet Mut und Authentizität.

I: Mira, deine Kunst ist sehr vielseitig. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Mira: Ich habe viel ausprobiert. Beruflich bin ich Mediengestalterin und Floristin, aber abseits davon habe ich Kerzen hergestellt, Gitarre und Klavier gespielt und Gedichte geschrieben. Kunst war und bleibt für mich das absolute Grundminimum des Lebens – von Geburt an. Ohne Kunst wäre dieses Leben für mich ziemlich langweilig.

I: In unserem Projekt „Queermigrant Art“ möchten wir die Perspektiven queermigrantischer Künstler
innen sichtbarer machen. Welche Rolle spielt Kunst für dich persönlich?

Mira: Für mich ist Kunst vor allem ein Ausdruck von Gefühlen, die sich oft nicht in Worte fassen lassen. Sie ist nicht für einen bestimmten Zweck gedacht, sondern einfach trotz allem. Mit meinen Blumenkompositionen wollte ich Schönheit und Freude schenken, anderen meine Wertschätzung zeigen. Wenn ich Gedichte geschrieben habe, habe ich meinem inneren Schmerz Raum gegeben – das war meine Befreiung.

I: Welche Bedeutung hat Kunst für die queermigrantische Community aus deiner Sicht?

Mira: Ich glaube, gerade für queermigrantische Menschen ist die Community ein Ort, in dem viele Schmerz, Erfahrungen und ein tiefes Gefühl von Einsamkeit in sich tragen. Das kann sehr schwer sein. Kreativität ist für mich das beste Werkzeug, um all das zu durchleben, zu fühlen, zu zeigen und zu teilen – um sich selbst nicht zu nicht zu verlieren.
I: Wie du schon gesagt hast, hilft Kunst dabei, unsere Gefühle zu verarbeiten und uns mit anderen zu verbinden – eine Verbundenheit, die unsere Community gerade mehr denn je braucht. Mira, was wünschst du dir selbst als Künstlerin für die Zukunft?

Mira: Ich wünsche mir, eines Tages einen kleinen Laden zu eröffnen – einen Ort, an dem ich mich als Künstlerin entfalten kann. Einen Raum, in dem ich Menschen etwas Wertvolles schenken kann – sei es Gefühle, Erinnerungen oder vielleicht etwas, wonach sie schon lange gesucht haben. Langfristig möchte sie finanziell unabhängiger werden, um Kunst zu schaffen, die Menschen berührt und ihnen wirklich etwas bedeutet.

Mira schreibt ihre Gedichte auf Russisch über Zugehörigkeit, Verbundenheit und die Sehnsucht nach einem Zuhause.

Vielleicht wird es ein Jahr,
Vielleicht werden es zwei,
Ich möchte nach Hause – doch wohin?
Ich weiß es nicht genau.

Was, wenn Zuhause fehlt?
Was, wenn es mehrere gibt statt nur eins?
Was, wenn dein Ort mein Zuhause ist?
Oder ich selbst – ganz allein?

Когда-нибудь будет год, когда нибудь будет два
Я так хочу вернуться домой!
Но… до сих пор не знаю: куда?
А что, если дома нет?
А что, если дома - два?
А что, если дом , где ты?
Или, быть может, я?
А что, если дом, где мы?
А что, если , где нас нет?
А что, если ориентир
Нам скажет, что дома нет?

Поставишь нам теплый чай
Он пахнет, как ты и я.
А что, если дом..?
Прекрати! Обнимешь.
Дом - это ты и я.

Понять это нелегко.
И легче понятия нет:
Ведь только в твоих руках
Под темной крышей
Зажжется свет.

От стенок пойдет тепло
Замурчат на руках коты
Неважно, где слово «Дом»
Важно: где слово «мы».

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.

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