Queer*migrant Art: Interview mit Marta

Im Rahmen unseres Projekts „queermigrant Art“ möchten wir mit queermigrantischen Künstler.innen in einen offenen Dialog treten. In persönlichen Interviews sprechen wir über ihre künstlerischen Wege, ihre Verbundenheit mit der Community und ihre einzigartigen Visionen.


Marta (sie/ihr) – queere Künstlerin&Performerin


I: Marta, du bist künstlerisch sehr vielseitig aufgestellt – wie hat sich deine Leidenschaft für Kunst entwickelt?

Marta: Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen umgeben mit viel Natur und einer relativ freien Kindheit, als ein verträumtes Kind habe ich mich schon immer viel in meiner Phantasie-Welt bewegt, bunt und neugierig. Zugang zum künstlerischen habe ich von Anfang an immer über Bücher, Zeichnen, Schreiben und Musik hören gefunden. Später waren es auch das „early-y2k-Internet“, erste Videospiele und Ausflüge ans Meer. In meiner Kindheit war das künstlerische auch in der Familie, besonders über meine Großeltern. Mein Opa kannte viele Künstler und hat mich oft zu Ausstellungen mitgenommen. Erst ein paar Jahre nach meinem Soziologiestudium habe ich angefangen Visuelle Kommunikation zu studieren.

I: Welche Ausdrucksformen sprechen dich am meisten an?

Marta: Ich interessiere mich für viele verschiedene Kunstformen und experimentiere mit unterschiedlichen Techniken: von Druckverfahren wie Risografie, Siebdruck und Fotoverfahren wie Cyanotypie bis hin zu Kurzfilm und Musik. Besonders sprechen mich Performance, Tanz und Bewegung an, weil sie unmittelbar, ehrlich und authentisch sind.
Wenn ich zeichne, ist mein Stil eher verspielt und experimentell und genau das mag ich. Auf diese Weise kann ich Menschen dazu einladen, anders hinzusehen, Neues zu entdecken und das Bild selbst zu interpretieren. Denn in der Kunst geht es für mich viel mehr um Interpretation als um Vorgaben.

I: Welche Rolle spielt für dich Kunst?

Marta: Mit meiner Kunst versuche ich, mich freier auszudrücken, freier als im Alltag und ohne Angst. Kunst ist für mich ein Mittel, mit meinen Emotionen in Kontakt zu kommen und sie auf gesunde Weise auszudrücken, am besten durch Tanz oder Bewegung. Das empfinde ich als sehr persönlich und intim. Durch meine Bewegung entsteht gleichzeitig ein Dialog zwischen Innen und Außen, zwischen dem, was ich fühle und dem, was die Welt zurückspiegelt.
Viele meiner Arbeiten sind auf andere Menschen oder auf das Kollektive bezogen. Ich schätze es sehr, gemeinsam durch die Kunst zu neuen Ansätzen und neuen Antworten zu kommen.

I: Marta, uns interessiert deine Perspektive als queermigrantische Person: Welche Rolle spielt Kunst für die Community?

Marta: Queere und queermigrantische Kunst trägt zu mehr Sichtbarkeit bei, die queeren Menschen lange verwehrt war und macht gleichzeitig andere darauf aufmerksam. Oft wissen Menschen wenig darüber oder haben nur schwer Zugang dazu. Kunst kann ein Mittel sein, um ins Gespräch zu kommen und Verständnis zu fördern.
Noch wichtiger ist es, den Stimmen queerer/queermigrantischer Künstler.innen zuzuhören. Denn oft handelt es sich dabei leider um marginalisierte Menschen, die genau wissen, welche Probleme unsere Gesellschaft prägen und wo Veränderung möglich ist. Gerade in gesellschaftlichen Umbrüchen ist dieser Austausch entscheidend. Community- und Safe-Spaces sind dafür besonders wichtig. So kann Kunst zur Brücke werden, die unterschiedliche Menschen verbindet und gemeinsame, bedeutungsvolle Erfahrungen ermöglicht.

Für queere Künstler.innen ist Kunst auch ein Raum, um starke Emotionen auszudrücken – Frustration, Wut, „female anger“, Traurigkeit und viel mehr. Sie dient nicht nur der Selbstreflexion, sondern kann auch anderen helfen. Junge queere Menschen können sich in der Kunst anderer wiederfinden und erkennen: Ich bin nicht allein. Kunst kann Vorbild sein. Kunst kann aber auch eine Starke Ausdrucksform finden indem sie Identität und Gendernormen hinterfragt, ähnlich wie bei Ballrooms oder Drag Shows. Solidarische Saferspaces werden geschaffen für Queers; für alle, vielleicht auch die, die sich noch nicht trauen zu outen. Queere Künstler.innen repräsentieren all das, was uns als Community verbindet.

I: Welche Hoffnungen hast du für die Zukunft?

Marta: Ich wünsche mir, dass durch die Kunst alle Grenzen – sowohl mentale als auch gesellschaftliche Barrieren – überwunden werden können. Kunst bietet den Raum, sich frei auszudrücken. All das, was im Alltag oft nicht erlaubt ist oder unterdrückt wird, darf in der Kunst gelebt werden. Mein größter Wunsch ist Frieden und Freiheit – und Kunst sollte immer frei sein, frei im Ausdruck und in ihrer Gestaltung.

Ausgewählte Arbeiten von Marta

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