Queer*migrant Art: Interview mit Ansar
Im Rahmen unseres Projekts „queermigrant Art“ möchten wir mit queermigrantischen Künstler*innen in einen offenen Dialog treten. In persönlichen Interviews sprechen wir über ihre künstlerischen Wege, ihre Verbundenheit mit der Community und ihre einzigartigen Visionen.
Ansar(er/ihm) — queerer Fotograf | Künstler aus Pakistan
I: Ansar, wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ansar: Schon als Kind habe ich gern gezeichnet, ich konnte stundenlang darin versinken. Kreativität wurde für mich zu einer Möglichkeit, mein wahres Selbst auszudrücken. In der traditionellen Umgebung, in der ich aufgewachsen bin, hatte ich häufig das Gefühl, mich verstellen zu müssen, sowohl in der Gesellschaft als auch in meiner Familie. Die Kunst wurde daher zu einem Raum, in dem ich mich frei fühlen konnte.
Später habe ich Grafikdesign online studiert und danach einige Zeit in einer Werbeagentur gearbeitet, wo ich Magazine und Printmaterialien gestaltete. Doch bald wurde mir klar, dass meine wahre Leidenschaft hinter der Kamera liegt – Menschen, Emotionen und besondere Momente einzufangen.
So habe ich meinen Weg in der Fashion-Fotografie gefunden. Ich liebe es, wie Licht und Ausdruck zusammenkommen, um Geschichten zu erzählen und wie jedes Gesicht seine eigene kleine Welt trägt.
I: Du bist in Pakistan aufgewachsen und konntest deine Identität dort nicht offen ausleben. Welche Rolle spielte die Kunst in dieser Zeit für dich?
Ansar: Kunst bedeutet für mich Frieden und Freiheit. Ein Ort, an dem meine Gefühle und Gedanken eine Stimme bekommen, ohne bewertet zu werden. In meiner Kunst ist immer ein Teil von meiner queeren Persönlichkeit. Gerade in einer queerfeindlichen Gesellschaft, in der meine Identität nicht akzeptiert wird, findet mein Ausdruck durch die Kunst eine Form.
I: Woher nimmst du deine Inspiration?
Ansar: Mich inspiriert die Schönheit selbst – nicht die Perfektion, sondern die besondere Art von Schönheit, die in echten Menschen steckt, in ihren Geschichten, Gefühlen und ihrem Mut. Mit der Fotografie kann ich genau das zeigen.
Als queerer Künstler fühle ich mich eng mit anderen queeren und migrantischen Künstler.innen verbunden. Unsere Kunst erzählt unsere Wahrheit – Geschichten von Zugehörigkeit, Liebe und Identität. Sie zeigt, dass Schönheit in allen Formen existiert und dass unsere Unterschiede die Welt reicher machen.
I: Konntest du durch deine Arbeit Verbindungen zu anderen queeren Künstler:innen aufbauen?
Ansar: Ja, ich hatte das Glück, mit vielen unglaublich kreativen und talentierten Menschen zusammenzuarbeiten – Make-up-Artists, Designer.innen, Stylist.innen und andere Fotograf.innen – viele von ihnen queer. Mit ihnen fühle ich mich gesehen und verstanden. Besonders die ersten Begegnungen mit anderen queeren Künstler.innen haben mir viel Kraft gegeben.
I: Welche Pläne und Visionen hast du für deine Kunst und was möchtest du damit in der Welt bewegen?
Ansar: Für die Zukunft wünsche ich mir, dass meine Arbeit weiterhin für Authentizität und Akzeptanz steht. Ich möchte mit meiner Kunst andere – und mich selbst – daran erinnern, dass in jedem Menschen Schönheit steckt und dass Selbstentfaltung ein Akt der Freiheit ist.
Arbeiten von Ansar auf Behance ansehen: https://www.behance.net/AMEDIA80
Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.
