Sächsische CDU-Politiker, Ärzte und Therapeuten besuchen Werbeveranstaltung zur Heilung Homosexueller

Flyer Homosexualität verstehenLSVD Sachsen veröffentlicht Erlebnisbericht zu Homoheilungsseminar in Sachsen

Der Akademikerzweig der Studentenmission Deutschland (SMD) hat am 17. November 2012 im Altenpflegeheim des Diakoniewerks Martinsberg im sächsischen Pausa die Tagung „Homosexualität verstehen“ mit Dr. Christl Vonholdt veranstaltet. Nach dem Besuch erklärt Hartmut Rus, Landesvorstand vom LSVD Sachsen:

Die Veranstaltung war ein Paradebeispiel für die christlich-fundamentalistisch geprägte Homosexuellenfeindlichkeit. Der  LSVD Sachsen ist entsetzt, dass die Akademiker Studentenmission und das Diakoniewerk Martinsberg kruden homophoben Thesen ein Forum bieten. Laut Vonholdt ist Homosexualität eine „seelische Störung“ und Folge sexuellen Missbrauchs, Verführung und emotionalen Bindungsverletzungen. Anwesend waren Fachkräfte der evangelischen Jugendarbeit, Therapeutinnen und Ärzte, die sich begeistert zeigten.

Es wurde beraten, wie der homoheilerische Ansatz gegenüber Krankenkassen abzurechnen sei. Offensichtlich werden in Sachsen darauf aufbauende Therapiekonzepte angeboten und insbesondere junge verunsicherte Lesben und Schwule zum Selbsthass erzogen. Hier werden Krankenkassen hinters Licht geführt, Entscheidungen der Weltgesundheitsorganisation und therapeutische Standards missachtet und die Würde der Patientinnen und Patienten massiv verletzt. Diesem Handeln müssen Landesregierung und Berufsverbände Einhalt gebieten.

Besonders interessiert zeigte sich der anwesende CDU-Politiker und Plauener Stadtrat Dieter Blechschmidt. So wollte der für seine homophoben Ausfälle bereits bekannte Blechschmidt wissen, wie er seine Meinung vertreten könne, ohne dass es wieder Ärger gibt. Er wurde ermutigt, weiterhin unbequeme Wahrheiten zu äußern und erhielt eine rhetorische Fortbildung für seine Homophobie. Wir fordern die sächsische CDU dazu auf, sich von Herrn Blechschmidt zu distanzieren. Die Landesregierung muss sicherstellen, dass in Sachsen Lesben und Schwule selbstbestimmt, offen und diskriminierungsfrei leben können.

Wir waren erschüttert, die gleichen christlich-fundamentalistischen Argumentationsmuster zu hören, die gegenwärtig in Uganda die Einführung der Todesstrafe und die lebensgefährliche Verfolgung von Lesben und Schwulen legitimieren sollen. Auch in Osteuropa hält Frau Vonholdt ihre Vorträge und legitimiert damit eine zunehmende Rekriminalisierung wie etwa die Antihomosexualitätsgesetze in Russland. Hier müssen die Kirchen in Deutschland deutlich Einspruch dagegen erheben, dass die christliche Religion für die Ausgrenzung von Lesben und Schwulen instrumentalisiert wird.

Zum Hintergrund: Dr. Christl Vonholdt ist Leiterin des Instituts für Jugend und Gesellschaft sowie der Offensive junger Christen. Diese Ökumenische Lebensgemeinschaft unter dem Dach des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) bietet Homosexuellen an, über mehrere Jahre bei sich zu leben, um ihre homosexuellen Gefühle zu überwinden. Ihre Ansichten gelten in der Fachwelt als unwissenschaftlich und gefährlich, doch lässt ihr die evangelische Kirche offenbar freie Hand.

Erlebnisbericht_Homoheilungsseminar

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