Jahresgruß vom Landesvorstand

Liebe Freund*innen,

ein bewegendes Jahr 2017 ist zu Ende gegangen: Ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Von der längst überfällig gewordenen Öffnung der Ehe, der Rehabilitierung der Opfer des § 175, der wegweisenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum „Dritten Geschlecht“ und der Bundestagswahl, war alles dabei.

Rehabilitierung der Opfer des § 175

Es ist manchmal kaum zu glauben, dass die Rehabilitation der vom §175 Verurteilten nach all den Jahren doch noch beschlossen wurde. Leider kommt die Aufhebung der Skandalurteile für viele Opfer zu spät. Und so denken wir mit Trauer an diejenigen, die es leider nicht mehr miterleben konnten und hoffen, dass die Bundesregierung bei der Rehabilitierung noch nachbessert. Die vorgesehene Entschädigung für die Opfer, die durch eine menschenrechtswidrige Gesetzgebung verfolgt, inhaftiert und ihrer gesellschaftlichen Existenz beraubt wurden, ist viel zu gering. Schon die strafrechtliche Ermittlung nach § 175 StGB bewirkte gesellschaftliche Ächtung, bedeutete oft den Verlust des Arbeitsplatzes und der gesamten beruflichen Karriere. Die Auswirkungen sind bis heute spürbar, zum Beispiel bei der Höhe der Rente. Das muss ausgeglichen werden.

Öffnung der Ehe

Kurze Zeit nach der beschlossene Rehabilitierung kam die nächste Nachricht: „Ich glaube das gilt ab sofort?!!“. Es fühlte sich an, wie zur Maueröffnung. Wie ein Befreiungsschlag, kam die Öffnung der Ehe für alle. Bereits 1990 forderte der damalige Schwulenverband in Deutschland (SVD) mit seinem ersten Grundsatzprogramm die Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare. Vor knapp 25 Jahren, im August 1992, hatte unser Verband die „Aktion Standesamt“ organisiert. 250 lesbische und schwule Paare haben damals bundesweit auf Standesämtern das Aufgebot bestellt und für sich das Recht auf Eheschließung eingefordert.

Seitdem kämpfte der LSVD zusammen mit immer mehr Verbündeten auf allen Ebenen für die Öffnung der Ehe.“ Ein Kampf, der schließlich erfolgreich war. Als Mitglieder standet ihr uns hier immer treu zur Seite und habt uns mit Eurem Beitrag unterstützt. Aber unser Kampf für Respekt und Akzeptanz endet nicht am Traualtar. Eine freie Gesellschaft muss es allen Menschen garantieren, jederzeit, an jedem Ort, ohne Angst und Anfeindung verschieden zu sein. Das ist unser Ziel und dafür werden wir uns auch die nächsten Jahre engagieren.

Rechtspopulist*innen im Bundestag

Mit der Bundestagswahl hat jetzt auch der Rechtspopulismus auf der Fraktionsbank des Bundestages Platz genommen. Mit diffamierenden Kampfbegriffen und faktenfreien Kampagnen wird Stimmung gegen LSBTI* gemacht. Alice Weidel war zwar die erste lesbische Spitzenkandidatin bei einer Bundestagswahl. Sie trat aber für die AfD an. Wer nun denkt, die AfD kann also gar nicht homophob sein, der wird getäuscht. Denn gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt gehören nicht zur Leitkultur der AfD. In Sachsen machen wir diese Erfahrung schon länger. Ob mit oder ohne Weidel – die AfD ist eine unberechenbare, radikale und zutiefst homophobe Partei, der wir uns entgegenstellen.

Queer-Refugees in Chemnitz

Seit fast zwei Jahren ist das LSVD Sachsen-Projekt „Information Center for LGBTI Refugees Chemnitz“ in Chemnitz und Südwestsachsen aktiv. Gemeinsam mit unseren Kolleg*innen vom „Queer Refugees Netzwerk Sachsen“ unterstützten wir Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans* und intergeschlechtliche (LSBTI*) Geflüchtete in unserer Region. Neben der Beratung und Unterstützung im Asylverfahren, leisteten wir auch praktische Lebenshilfe, begleiteten Menschen bei der Integration und halfen ihnen bei Gewalt in und außerhalb von Unterkünften der Flüchtlingshilfe.

In den letzten Monaten haben wir Menschen mit unterschiedlichsten Fluchterfahrungen zusammengebracht und unterstützen sie dabei, in Sachsen ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Ohne die Zusammenarbeit mit den Verbänden der Community, der Zivilgesellschaft und auch mit staatliche Stellen wäre diese Arbeit oft nicht möglich gewesen. Besonders die Staatsministerin für Integration und Gleichstellung, Petra Köpping (SPD), war hier stets unser „Fels in der Brandung“. Auch 2018 kann die Arbeit der Beratungsstelle in Chemnitz weitergehen.

Als Landesvorstand möchten wir an dieser Stelle auch die Arbeit unserer Mitarbeitenden Cosima Winifred Lambrecht hervorheben. Winifred gab der LSVD Sachsen-Beratungsstelle für LSBTI*-Geflüchtete ein Gesicht und unterstützte uns mit viel Engagement. Winifred begleitetet Geflüchtete im Asylverfahren, stand ihnen in schwierigen Zeiten zur Seite und warb auch in den Einrichtungen der Flüchtlingshilfe für Akzeptanz und Respekt gegenüber LSBTI*. In den letzten Monaten entstand aus dieser wertvollen Arbeit eine Gruppe von Geflüchteten, die sich regelmäßig zu Veranstaltungen treffen und sich gegenseitig unterstützen. Die Volkssolidarität Chemnitz, die uns ein Büro zu guten Konditionen zur Verfügung stellte, trug entscheidend zum Erfolg unserer Arbeit bei. Aber es gab auch Rückschläge. In unser Beratungsbüro in Chemnitz wurde im Dezember eingebrochen. Es wurden zwei Laptops und ein Beamer entwendet. Dabei entstand ein Schaden in Höhe von 2500 €. Diesen können wir als kleiner Landesverband kaum stemmen. Eine Versicherung gab es nicht. Nun suchen wir nach Sponsor*innen, die uns bei der Wiederanschaffung unterstützen. Wir freuen wir uns über jede Spende.

Sachsenweiter Rainbowflash zum IDAHOT / IDAHIT

Selbstbestimmt, offen und diskriminierungsfrei! Ein demokratisches und lebenswertes Sachsen muss es allen Menschen ermöglichen, jederzeit, an jedem Ort ohne Angst verschieden zu sein. Beim siebten „Sachsenweiten Rainbowflash“, anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo- und Transphobie (IDAHOT) am 17. Mai, traten wir gemeinsam mit unseren Partner*innen für gleiche Rechte, gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegenseitigen Respekt ein. Von Zwickau bis Leipzig, von Wurzen bis Dresden haben wir unsere Botschaften gegen Homophobie und Transfeindlichkeit in den Himmel geschickt. Auch haben wir in der Sächsischen Landesärztekammer in Dresden für eine LSBTI* inklusive Gesundheitsversorgung geworben und eine Fortbildung für Mediziner*innen, Psycholog*innen und Studierende aus den Bereichen Medizin und Psychologie zum Thema „Transgeschlechtlichkeit in der Medizin“ angeboten. Für unser bundesweit einzigartiges Projekt „Sachsenweiter Rainbowflash“ wurden wir im Rahmen des Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz “ ausgezeichnet.

CSDs & Tag der Sachsen

Neben unseren Projekten sind wir auch auf den CSDs in unserer Region und beim Tag der Sachsen regelmäßig vertreten. Der Tag der Sachsen in Löbau war kurz vor der Wahl eine große Herausforderung für uns. Löbau ist die Hochburg der AfD und genau das bekamen wir auch zu spüren. Von Beschimpfungen und Drohungen über die Wiedereinrichtung von Konzentrationslagern bis zu „Wir werden Euch alle töten“ war alles dabei. Aber es gab auch gute und Mut machende Gespräche. Das ist das, was uns motiviert weiter zu kämpfen – für Akzeptanz und Respekt gegenüber allen Menschen.

Unverzichtbar

Ehrenamtsarbeit ist keine Selbstverständlichkeit. In einem Verein freiwillig an Projekten mitzuarbeiten oder im Vorstand zu sein ist eine Herausforderung, der sich leider nur wenige Menschen stellen. Diejenigen, die sich aktiv im LSVD Sachsen engagieren sind unverzichtbar für uns. Die politische Arbeit des LSVD Sachsen ist immer noch rein ehrenamtlich organisiert. Als Verein bekommen wir keine institutionelle Förderung, sondern finanzieren uns nur über die Beiträge unserer Mitglieder. Deshalb sagen wir erstmal danke an alle Ehrenamtlichen im LSVD Sachsen, die helfen unseren Verein bekannt und l(i)ebenswert zu machen. Wir danken auch allen Mitgliedern, die uns mit ihrem Beitrag unterstützen und uns helfen, für ein vielfältiges und buntes Sachsen einzutreten.

Wenn ihr mit einem guten Vorsatz ins neue Jahr 2018 starten wollt und Euch bei uns engagieren wollt, dann freuen wir uns darauf Euch kennenzulernen. Der LSVD lebt wie jeder andere Verein von seinen aktiven Mitgliedern, die sich für ihren Verein einbringen wollen. Kommt mit an Bord und bringt Euch beim LSVD Sachsen ein!

Liebe Mitglieder, an dieser Stelle sagen wir nochmals danke für ein tolles und aufregendes Jahr 2017 und danken Euch für Eure Unterstützung.

Susann, Michel, Axel und Tom

i.A. Tom Haus

Spendenkonto LSVD Sachsen
Bankverbindung: Sparkasse Chemnitz
IBAN: DE70 8705 0000 0710 0414 89
BIC : CHEKDE81XXX

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